Dieser Artikel erschien exklusiv als Gast-Beitrag im Blog von Silke Weinig, Expertin für Selbstmanagement.
Vielen Dank dafür!
Wie geht Mut?
Wer sich selbst als mutig bezeichnet, gilt schnell als überheblich und arrogant. Gleichzeitig geniessen die meisten von uns, von anderen Menschen als mutig bezeichnet zu werden. Was verbinden wir mit dieser Eigenschaft? Warum ist sie vielen von uns wichtig? Und, wie geht Mut? Studienzeigen, Mut kann bewusst trainiert werden.
Mut scheint für viele Menschen eine wünschenswerte Eigenschaft zu sein. Gemäss einer Schweizer Studie zum Thema Mut, die 2018 publiziert und durch ein Meinungsforschungsinstitut im Auftrag einer Versicherungsgesellschaft durchgeführt wurde, bewerten es drei Viertel der Befragten als positiv, wenn sie von anderen als mutig bezeichnet zu werden. Frauen finden dies noch häufiger als Männer, jüngere Personen mehr als ältere. Genauso viele, nämlich 75% der Befragten wünschen sich in einem oder mehreren Bereichen ihres Lebens mehr Mut.
Der grosse Mut-Mythos
Im populären Sprachgebrauch wird Mut oft als das Gegenstück von Angst deklariert. Ein grosser Mythos und aus meiner Sicht der grösste Irrtum überhaupt! Das Gegenteil ist der Fall: um Mut entstehen zu lassen, braucht es die Angst. Angst ist – evolutionsbedingt – einer unserer grössten inneren Antreiber und nicht per se als schlecht zu bewerten. Die Angst beschützt uns vor unüberlegten – übermütigen – Handlungen, die ungesund oder sogar lebensgefährlich sind. Ob wir vom 1 Meter-Sprungbrett oder von der 30 Meter-Klippe springen, entscheidet nicht zuletzt der Faktor Angst.
Ohne Angst, kein Mut!
Wenn wir keine Angst, keine Unsicherheit, keine Zweifel über ein bestimmtes Vorhaben verspüren, dann tun wir es einfach und es braucht dazu keinen Mut. Sobald wir jedoch eine für uns unangenehme Situation bewusst überwinden, brauchen wir Mut. Ein Beispiel: wer unter Flugangst leidet – übrigens eine der weit verbreitetsten Ängste überhaupt – braucht Mut, in ein Flugzeug zu steigen. Wer Flugangst nicht kennt, braucht keinen Mut für Flugreisen.
Wir erkennen leicht: genauso individuell wie Ängste sind, ist auch Mut sehr, sehr individuell und hängt von der persönlichen Bewertung der jeweiligen Situation oder Tätigkeit zusammen. Die Psychologie kennt mittlerweile hunderte von anerkannten Phobien. Doch ich möchte nicht näher auf die pathologische Angst eingehen, sondern vielmehr auf unliebsame Situationen, Zweifel, Unsicherheit und ungute Gefühle, welche in unserem Alltag immer wieder entstehen können. Meist stellen diese ja auch kein Hindernis dar: wir kompensieren sie, gehen ihnen aus dem Weg (bewusst oder unbewusst) oder verdrängen sie.
Überwindung mit Beherztheit
Bereits vor über 2000 Jahren meinte Seneca: «Mut entsteht, wenn die Sehnsucht grösser ist als die Angst.». Was genau nun die Sehnsucht ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Um diese zu beantworten, reicht möglicherweise nicht einmal ein ganzes Leben: was will ich, was treibt mich an, was ist mir wirklich wichtig, was bewegt mich, was inspiriert mich? Mut entsteht nicht primär aus äusserem Antrieb, sondern vielmehr aus intrinsischen Motiven, aus unseren persönlichen Herzenswünschen, aus unserer Beherztheit. Wenn uns also etwas wichtig genug ist und es uns «am Herzen liegt», dann überwinden wir auch unerwünschte Hindernisse, Zweifel, Unsicherheiten und Ängste ganz bewusst. Mut bedeutet, es trotzdem zu tun und sich bewusst den unliebsamen Unsicherheiten und möglichen Ängsten zu stellen. Mut macht aus unseren Werten und unseren Idealen erlebbare Wirklichkeit.
Folgen Sie dem inneren Kompass
Wir alle streben nach unserem persönlichen Nutzen. Glaubt man der aktuellen Hirnforschung, entscheiden wir uns täglich rund 20’000 Mal, grösstenteils aufgrund unbewusster Programme, Routine, Erfahrung, Intuition und aufgrund sozialen Strategien: wähle, was du kennst, vermeide Konflikte, folge dem Rat anderer, entscheide dich für das, was dir den meisten Nutzen bringt. Würden wir bei jeder Entscheidung erst einmal Argumente sammeln, gegeneinander abwägen, die Folgen abschätzen und bis zur letzten Konsequenz durchdenken, würden wir es morgens wohl kaum über die Bettkante schaffen und wären mit banalen Entscheidungen, wie beispielsweise dem Kauf einer Zahnpasta tagelang beschäftigt.
In unserer heutigen Zeit des permanenten Wandels, der Informationsüberflutung und der digitalen Ablenkung, scheint es immer schwieriger, auf unsere innere Stimme zu hören und unserem inneren Kompass zu folgen. Was sind unsere Bedürfnisse, was unsere Motive, unsere Werte, unsere intrinsischen Antreiber? Wie ticken wir und was ist uns wirklich wichtig? Hierzu kann eine Analyse nach der Methode der Reiss Motivation Profile Aufschluss geben. Diese Analyse macht sichtbar, was uns tatsächlich bewegt, wie wir unsere Motive gewichten und priorisieren. Nur wenn wir verstehen, was uns mit Sinn erfüllt und glücklich macht, können wir unsere Entscheidungen, unsere Gewohnheiten und unser Verhalten danach ausrichten. Menschen verfolgen grundlegend die gleichen Ziele, jedoch individuell gewichtet und priorisiert.
Hauen Sie Dellen in Ihre Komfortzone
Um mutig neue Wege zu gehen und unseren Mutmuskel täglich zu trainieren, ist es nicht nötig, permanent seine Komfortzone zu verlassen. Dies würde bedeuten, dass wir auch permanent unter Stress stehen und uns stets in unvertrautem Umfeld befinden. Vielmehr geht es darum, seine Komfortzone täglich zu stretchen, Dellen reinzuhauen und dadurch stetig zu vergrössern.
Dazu lassen sich kleine Übungen In unserem Alltag einbauen: rühren Sie während einer Woche die Milch in ihrem Kaffee anders rum. Oder binden Sie während einer anderen Woche zuerst den rechten und dann erst den linken Schuh (oder umgekehrt). Machen Sie täglich jemandem ein Kompliment. Meditieren Sie während eines Monats täglich 5 Minuten, lernen Sie den Kopfstand, essen Sie während einem Monat vegan, duschen Sie täglich kalt.
Tun Sie einfach irgendetwas, was Sie zuvor noch nie getan haben. Dies aber bewusst und konsequent während einer definierten Zeit. Sie werden feststellen, dass Sie dadurch ihren Mutmuskel trainieren und es ihnen immer einfacher fällt, ungewohnte Dinge zu tun. Dies sind kleine Übungen im Alltag mit grossem Langzeiteffekt, sofern Sie diese konsequent umsetzen.
Werden Sie in nur 70 Tagen doppelt so mutig!
Eine Regel nach Dr. Alan Weiss sagt, dass wenn wir täglich 1% produktiver sind, wir nur 70 Tage benötigen, um doppelt so produktiv zu sein wie heute. Einige kennen diese Regel vom Zinseszins-Effekt: wer täglich 1% des bestehenden Vermögens beiseitelegt, hat in nur 70 Tagen sein Vermögen verdoppelt. Was wäre, wenn wir diese Regel auf unser Mut-Verhalten anwenden? Wie mutig wären Sie in 70 Tagen? Wie mutig wären Sie in 700 Tagen, also in rund zwei Jahren? Bei der Umsetzung wünsche ich Ihnen viel Spass, Inspiration und: Mut!
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